
EUDAMED UDI-Registrierung meistern – Wo anfangen & wie Unsicherheiten überwinden?
Die Registrierung von Medizinprodukten in der europäischen Datenbank EUDAMED wirkt für viele Hersteller wie ein Mammutprojekt: neue Rollen, neue Datenlogik (Basic UDI-DI/UDI-DI), hohe Anforderungen an Datenqualität – und die Sorge, etwas “falsch” zu machen. Genau deshalb lohnt sich ein systematischer Einstieg: erst die Grundlagen sauber aufsetzen, dann mit einem Pilotprodukt lernen und anschließend skalieren.
Ein wichtiger Fixpunkt für die Planung: Die Nutzung der ersten vier EUDAMED-Module wird ab 28. Mai 2026 verpflichtend (u. a. Actor Registration, UDI/Devices, Notified Bodies & Certificates, Market Surveillance).
https://health.ec.europa.eu/latest-updates/eudamed-four-first-modules-will-be-mandatory-use-28-may-2026-2025-11-27_en?
Wo anfangen: Vorbereitung, Zugriff, SRN
Der beste Einstieg ist nicht das bloße „Eintippen“ von Daten, sondern die Schaffung einer stabilen Basis:
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Actor Registration und SRN sichern: die Single Registration Number (SRN) ist der Schlüssel für fast alle Folgeprozesse. Ohne sie stehen Ihre Workflows still.
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Rollenmodell klären: wer ist „Local Actor Administrator“? Wer darf Daten freigeben? Ein sauberes Rollenkonzept verhindert Engpässe bei der Veröffentlichung.
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Die UDI-Hierarchie verstehen: bevor Sie Daten sammeln, muss intern Einigkeit über die Struktur herrschen.
| Ebene | Funktion | Beispiel |
| Basic UDI-DI | Gruppenschlüssel (Modellfamilie) | Eine Familie von Herzkathetern |
| UDI-DI | Spezifische Variante / Verpackung | Katheter Größe 5Fr, steril verpackt |
| UDI-PI | Dynamische Daten (Produktion) | Charge, Seriennummer, Verfalldatum |
Wichtige Grundlagen klären:
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Klassifizierung Ihrer Produkte nach MDR/IVDR: MDR (EU) 2017/745 und IVDR (EU) 2017/746.
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Auswahl einer von der EU benannten UDI Issuing Entity: Issuing entities (GS1, HIBCC, ICCBBA, IFA).
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Strukturierung Ihrer Produkthierarchie: Basic UDI-DI (Gruppenschlüssel) und UDI-DI (konkrete Variante/Verpackungsstufe) sowie UDI-PI (Production Identifier)
Die 3 häufigsten Unsicherheiten – und ihre Lösungen
1. Welche Daten sind wirklich erforderlich?
Die EUDAMED-Registrierung verlangt strukturierte Produktinformationen (u. a. Beschreibung, Klassifizierung, Zweckbestimmung, Variantenlogik, Verpackungs-/Konfigurationsdetails). In der Praxis scheitert es selten an “zu wenig Wissen”, sondern an fehlender Systematik.
So lösen Sie das:
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Erstellen Sie eine interne Daten-Checkliste (als Referenz dient MDR/IVDR, u. a. Anhang VI; siehe MDR/IVDR oben). Lesen Sie hierzu die EU Dokumente Document 32017R0745 und Document 32017R0746 durch.
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Definieren Sie einen Minimaldatensatz (MVP) für den Start: Welche Felder müssen für ein Pilotprodukt wirklich vollständig sein?
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Legen Sie pro Datenfeld fest, welche Quelle “Single Source of Truth” ist (ERP/PLM, Labeling, Technische Doku, RA-Stammdaten)
2. Wann muss registriert werden (- und was ist dringend)?
Hier wird oft vermischt: UDI-Kennzeichnung/Umsetzung (Label/Träger) ist in Teilen risikoklassen- und produktabhängig, aber für den EUDAMED-Moduleinsatz gibt es klare Meilensteine. Für die Projektplanung zählt daher vor allem:
- EUDAMED-Readiness (Rollen, SRN, Prozesse, Datenqualität) frühzeitig herstellen
- nicht warten, bis “alles perfekt” ist – sondern pilotieren, lernen, skalieren
Zur Einordnung der Module und des Stichtags: EUDAMED Overview und die offizielle Meldung zur Verpflichtung ab 28.05.2026: First four modules mandatory from 28 May 2026
3. Wie gehe ich mit Produktvarianten um?
Die Variantenlogik ist einer der größten Stolpersteine.
Grundprinzip:
- Basic UDI-DI: Gruppenschlüssel (typisch für Geräte mit gleicher Zweckbestimmung/Design)
- UDI-DI: identifiziert konkrete Varianten/Verpackungsstufen
So wird’s beherrschbar:
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Definieren Sie intern, welche Unterschiede eine neue UDI-DI auslösen (z. B. klinisch/technisch relevante Änderungen, neue Konfiguration, neue Verpackungsstufe)
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Dokumentieren Sie diese Regeln als “Variant Policy” – damit Entscheidungen wiederholbar und auditfest werden
Praktische Tipps für einen reibungslosen Ablauf
- Datenqualität sichern (bevor Sie hochladen)
Die häufigste Fehlerquelle sind inkonsistente, unvollständige oder widersprüchliche Daten. Etablieren Sie interne Validierungen (Pflichtfelder, Code-Listen, erlaubte Werte), bevor Sie “in Masse” hochladen. - IT-Integration planen
Viele Hersteller reduzieren Aufwand und Fehlerquote deutlich, wenn Daten aus PLM/ERP strukturiert gemappt und vorvalidiert werden – besonders bei vielen SKUs/Varianten. - Team-Setup und Schulung
UDI/EUDAMED ist interdisziplinär: RA/QM, Produktmanagement, Labeling, IT. Sorgen Sie für ein gemeinsames Begriffsverständnis (Basic UDI-DI vs. UDI-DI vs. UDI-PI) und klare Freigabewege. - Testumgebung konsequent nutzen (Playground)
Nutzen Sie den Playground, um Rollen, Prozesse und Datenflüsse zu testen. Wichtig: Playground enthält valid, but fake data (inkl. Actor ID/SRN) und wird nicht in die Produktivumgebung übernommen.
Offizielle Erklärung: EUDAMED environments und Getting started (Hinweis zu Dummy-Daten).
Für die konkrete Datenerfassung im UDI/Devices-Modul sind diese offiziellen Seiten hilfreich:
Kontinuierliche Pflege nicht vergessen
Die Erstregistrierung ist nur der Anfang. Produktänderungen, neue Varianten, Label-Updates oder organisatorische Änderungen müssen in EUDAMED sauber nachgezogen werden. Definieren Sie daher:
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Verantwortlichkeiten für laufende Pflege (Owner, Stellvertretung)
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Change-Prozess (wann/wer prüft, wer veröffentlicht)
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regelmäßige Datenchecks (Qualität, Konsistenz, Vollständigkeit)
EUDAMED UDI-Registrierung ist kein “Formular-Thema”, sondern ein Daten- und Prozessprojekt. Wenn Sie mit SRN/Rollen sauber starten, mit einem Pilotprodukt lernen und danach in Wellen ausrollen, wird aus Unsicherheit ein kontrollierbarer Roll-out – auditfest und effizient.
Treffen wir uns in Tuttlingen?
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