COMPUTER SYSTEM VALIDATION

Computer System Validation nach dem V-Modell

Ein dokumentierter, risikobasierter Nachweis, dass ein computergestütztes System seine festgelegten Anforderungen konsistent und reproduzierbar erfüllt und für den bestimmungsgemäßen Gebrauch geeignet ist.

CSV-Anforderung besprechen

Einordnung

CSV verbindet Eignung, Sicherheit und nachvollziehbare Nachweise

Computer System Validation (CSV) bezeichnet einen dokumentierten Prozess, der belegt, dass ein computergestütztes System genau das tut, wofür es vorgesehen wurde – konsistent, reproduzierbar und entlang vordefinierter Anforderungen.

Für Pharmaunternehmen und Medizinproduktehersteller stehen dabei Transparenz, Produktqualität, Patientensicherheit, Datenintegrität und ein kontrollierter IT-Betrieb im Mittelpunkt. Der risikobasierte Umfang richtet sich nach Intended Use, GxP-/QMS-Relevanz und dem möglichen Einfluss einzelner Funktionen.

Der Grundgedanke ist auch in validierten Sterilitäts-, Reinigungs-, Methoden- und Prozessumgebungen relevant. Die konkrete Anwendung und Terminologie muss jedoch zum jeweiligen System und Qualitätsmanagementsystem passen.

VALIDIERUNGSFOKUS

Warum Computer System Validation wichtig ist

Gesundheit und Patientensicherheit

Gefahren und Risiken für die menschliche Gesundheit sowie mögliche Auswirkungen fehlerhafter Systemfunktionen werden systematisch betrachtet.

Produktqualität

GxP- oder QMS-kritische Funktionen werden durch definierte Anforderungen, Kontrollen und risikobasierte Tests abgesichert.

Kontrollierter IT-Betrieb

Transparente Prozesse, geregelte Änderungen und belastbare Systemdokumentation reduzieren Fehlfunktionen und Ausfälle.

Nachhaltiger Aufwand

Qualitäts- und Projektmanagementstandards sowie verlässliche Dokumentation senken Wartungs- und Change-Aufwände über den Lebenszyklus.

CSV GEMÄSS V-MODELL

Entwicklungsphasen und Testphasen konsequent gegenüberstellen

Das V-Modell führt von Risiko, Planung und Benutzeranforderungen über funktionale und technische Spezifikation zur Umsetzung. Auf der rechten Seite wird jede Ebene mit der passenden Qualifizierungs- oder Teststufe verifiziert; Traceability Matrix und Abschlussbericht schließen den Nachweis.

V-Modell der Computer System Validation mit Risikobewertung, Validierungsplan, URS, funktionaler und technischer Spezifikation, Entwicklung, IQ, OQ, PQ, Traceability Matrix und Validierungsabschlussbericht
V-Modell im Überblick: Spezifikationen links, Entwicklung am Tiefpunkt, Qualifizierung und Abschluss rechts.

Spezifikation & Planung

Basis-/High-Level-Risikobewertung (BRA/HLRA)

Klärt, ob das System oder einzelne Teile validierungspflichtig beziehungsweise GxP-/QMS-kritisch sind und bestimmt den risikobasierten Umfang.

Validierungsplan (VP)

Definiert Scope, Strategie, Aktivitäten, Liefergegenstände, Rollen, Verantwortlichkeiten, Akzeptanzkriterien und die Regeln zum Erhalt des validierten Zustands.

Benutzeranforderungsspezifikation (URS)

Beschreibt Intended Use, gewünschte Funktionen, Verhalten, Prozesse, Daten, Schnittstellen, Rollen und nicht-funktionale Anforderungen aus fachlicher Sicht – ohne die Lösung vorwegzunehmen.

Funktionale Spezifikation (FS)

Übersetzt die Benutzeranforderungen verständlich in die vorgesehenen Systemfunktionen und beschreibt, was die Lösung leisten muss.

Designspezifikation (DS)

Beschreibt, wie Konfiguration, Entwicklung, Schnittstellen und technische Komponenten aufgebaut werden, um die funktionale Spezifikation zu erfüllen.

Verifikation & Abschluss

Installationsqualifizierung (IQ)

Belegt mit Anleitung und Checkliste, dass Installation, Version, Komponenten, Einstellungen und Parameter korrekt, transparent und reproduzierbar umgesetzt wurden.

Technischer Test / OQ

Prüft Module, Integration, Konfiguration und Funktionen innerhalb spezifizierter Grenzen. Umfang, Komplexität, Umgebung, Akzeptanzkriterien und Fehlerbehandlung richten sich nach der FRA.

Benutzerakzeptanztest / PQ

Bestätigt mit repräsentativen Anwendern, Daten und realistischen Prozessbedingungen, dass die URS und der bestimmungsgemäße Gebrauch erfüllt werden.

Rückverfolgbarkeitsmatrix (TM)

Verknüpft jede Benutzeranforderung mit Spezifikation, Risiko, Kontrolle, Test, Ergebnis und gegebenenfalls Abweichung – in beide Richtungen.

Validierungsabschlussbericht (VSR)

Fasst den Projektverlauf, Testergebnisse, Abweichungen, Restpunkte, Restrisiken und die begründete Freigabeentscheidung zusammen.

Entwicklung & Konfiguration

Setzt das freigegebene Design kontrolliert um. Code, Konfiguration, Reviews, Versionen, Transporte und Änderungen bleiben nachvollziehbar.

Die drei zentralen Gegenüberstellungen

URSPQ / UAT

Der fachliche Intended Use und die Benutzeranforderungen werden unter realistischen Prozessbedingungen bestätigt.

Funktionale SpezifikationOQ / Technischer Test

Die beschriebenen Funktionen werden innerhalb der festgelegten Bedingungen risikobasiert geprüft.

DesignspezifikationIQ

Die vorgesehene technische Ausprägung wird gegen die tatsächlich installierte und konfigurierte Lösung verifiziert.

TYPISCHE NACHWEISE

Die Nachweiskette des V-Modells

  • Basis-/High-Level-Risikobewertung (BRA/HLRA)
  • Validierungsplan (VP)
  • Benutzeranforderungsspezifikation (URS)
  • Funktionale Spezifikation (FS)
  • Funktionale Risikobewertung (FRA)
  • Designspezifikation (DS)
  • Entwicklungs- und Konfigurationsnachweise
  • IQ-, OQ-/TT- und PQ-/UAT-Protokolle
  • Rückverfolgbarkeitsmatrix (TM)
  • Validierungsabschlussbericht (VSR)
  • SOPs, Schulung, Change Control und periodische Überprüfung

IQ · OQ · PQ

IQ, OQ und PQ bilden die rechte Seite des V-Modells

Die Qualifizierungen verifizieren nicht isoliert, sondern gegen die jeweils freigegebenen Spezifikationen und risikobasierten Akzeptanzkriterien.

IQ

Installationsqualifizierung

Dokumentierter Nachweis, dass System, Komponenten, Versionen, Einstellungen und Parameter wie vorgesehen installiert und konfiguriert wurden.

OQ

Funktionsqualifizierung / technischer Test

Dokumentierte Prüfung von Funktionen, Integration, Konfiguration, Grenzfällen und Kontrollen innerhalb spezifizierter Betriebsbedingungen.

PQ

Leistungsqualifizierung / UAT

Nachweis unter repräsentativen realen oder realitätsnahen Prozessbedingungen, dass System und Gesamtprozess den Intended Use unterstützen.

UNSERE UNTERSTÜTZUNG

CSV-Unterstützung für SAP und regulierte Anwendungen

  • Risikobasierte Validierung
  • Validierung von SAP-Softwarekomponenten und selbst entwickelten SAP-Anwendungen
  • Validierung im Kontext von ISO 13485
  • Basis- und funktionale Risikobewertung
  • Erstellung und Ausführung von Testskripten
  • Durchführung und Dokumentation der Validierung
  • IQ, OQ/technischer Test und PQ/UAT
  • Traceability Matrix und Validierungsabschlussbericht
  • Change Control und Erhalt des validierten Zustands

REGULATORISCHE ORIENTIERUNG

Aktuelle Primärquellen für die Einordnung

Welche Anforderungen konkret gelten, muss für Produkt, Markt, System und Prozess bestimmt werden. Die folgenden Quellen bilden wichtige Bezugspunkte.

ISO 13485:2016

Qualitätsmanagementsysteme für Medizinprodukte; die aktuelle Anwendbarkeit ist organisations- und marktspezifisch zu bewerten.

ISO 13485:2016

21 CFR Part 11

Kriterien für bestimmte elektronische Aufzeichnungen und elektronische Signaturen im FDA-Kontext, sofern der Scope erfüllt ist.

21 CFR Part 11

EU-GMP Annex 11

Leitlinie zu computergestützten Systemen im pharmazeutischen GMP-Umfeld.

EU-GMP Annex 11

HÄUFIGE FRAGEN

CSV klar abgegrenzt

Muss jede Software vollständig validiert werden?

Der erforderliche Umfang hängt von Intended Use, regulatorischer Relevanz und Risiko ab. Bewertet werden die relevanten Funktionen und Kontrollen, nicht automatisch jede technische Eigenschaft mit derselben Tiefe.

Reicht ein erfolgreiches Testprotokoll aus?

Nein. Tests sind ein Bestandteil. Zusätzlich braucht es unter anderem klare Anforderungen, Risikobewertung, nachvollziehbare Konfiguration, Abweichungsentscheidungen, Rückverfolgbarkeit und geregelten Betrieb.

Ist CSV nach dem Go-live abgeschlossen?

Die initiale Freigabe ist ein Meilenstein. Änderungen, Vorfälle, Berechtigungen, Backups, Reviews und Stilllegung müssen den validierten Zustand über den Lebenszyklus unterstützen.

NÄCHSTER SCHRITT

Validierung sinnvoll eingrenzen

Für eine erste Einordnung helfen Angaben zu System, Version, Intended Use, regulatorischem Markt, kritischen Daten, Schnittstellen, vorhandener Dokumentation und geplantem Einsatztermin.

CSV-Projekt einordnen lassen

Fachliche Information, keine Rechts- oder Behördenberatung. Maßgeblich sind die für Ihr Produkt, Ihr Unternehmen und Ihren Markt anwendbaren Anforderungen.